Nistmaterial

Haare sind als Nistmaterial oft ungeeignet

In der Brutzeit polstern jetzt viele Singvögel ihre Nester mit Federchen, Wolle, Haaren und anderen weichen Materialien aus. In bester Absicht werden oft ausgegangene Fellbüschel von Hunden und Katzen oder der eigene Haarschnitt ausgelegt, um ihnen bei der Suche nach Polstermaterial zu helfen. Zwei aktuelle Studien zeigen jedoch, dass das zwar gut gemeint aber nicht unbedingt hilfreich ist. Denn die bei den Vierbeinern gegen Fellparasiten eingesetzten Biozide haften am Fell und können Elternvögel, Eier und Nestlinge schädigen, wenn sie die Stoffe aufnehmen oder als noch nackte Nestlinge direkten Hautkontakt damit haben.

In Großbritannien fahndeten Forschende nach 20 verschiedenen Insektiziden in den Nestern von Kohl- und Blaumeisen und konnten davon 17 nachweisen. Die Vogelnester enthielten zwischen zwei und elf verschiedene Insektizide, Fipronil wurde sogar in allen untersuchten Nestern nachgewiesen. Zumindest theoretisch könnten die Vögel von den Antiparasitenmitteln auch profitieren, wenn in Nestern durchaus üblichen Vogelflöhen oder Milben der Garaus gemacht wird. Doch mit der chemischen Belastung des Nestmaterials korrelierten die Sterblichkeit und der Bruterfolg. Je mehr Giftstoffe vorhanden waren umso häufiger gab es nicht geschlüpfte Eier und tote Nestlinge. Auch wenn Vogelbruten auch aus vielen anderen Gründen scheitern können, legen die Ergebnisse dennoch einen Zusammenhang nahe. Bisher wird diese mögliche Toxizität beim Einsatz von chemischen Wirkstoffen in der Tiermedizin in Risikobewertungen nicht berücksichtigt. Um mögliche schädliche Einflüsse auf Vogelbruten zu vermeiden, sollten Tierhalter bei ihren Vierbeinern während der Vogelbrutzeit zwischen April und August entweder auf wirkstoffhaltige Halsbänder, Shampoos etc. verzichten oder bei Verwendung solcher Mittel ausgegangene Haarbüschel nicht auslegen, sondern besser im Hausmüll entsorgen. Auch Menschenhaar, das mit Färbemitteln etc. behandelt ist, sollte den Vögeln nicht angeboten werden. Ein noch weitaus größeres Problem ist Plastikmüll. Immer wieder finden sich Meisennester, die überwiegend aus den Plastikborsten verrottender Besen bestehen oder Nestbauten, in die Bänder, Schnüre, Seile und Folien eingearbeitet sind, an denen sich Jungvögel mitunter tödlich verletzen können.

Dr. Stefan Bosch