Biber, die versierten Öko-Ingenieure
Die Rückkehr der fast ausgerotteten Biber (Castor fiber) und ihre Aktivitäten werden oft mit Vorbehalten und Sorge verfolgt, bergen ihre wasserbaulichen Fähigkeiten doch durchaus das Potenzial für Wasserstau, Abflussbehinderungen z.B. in Gräben etc. Dennoch mehren sich mit seiner wieder weiteren Verbreitung die Erkenntnisse, dass selbst in besiedelten Regionen ein Zusammenleben mit dem Biber möglich und für die Natur von enormem Nutzen ist. Während man die Tiere selbst kaum zu Gesicht bekommt, sind ihre Aktivitäten als Öko-Ingenieure und deren Folgen umso auffälliger. Wie nur wenige andere Tierarten entpuppt sich der Biber als ein überaus erfolgreicher, fachkundiger Landschaftsgestalter und als Förderer der Artenvielfalt und Klimaresilienz. Binnen weniger Jahre gestalten Biber mit ihren exzellenten Fähigkeiten in Geologie und Hydrologie Landschaften durchgreifend um und verbessern und schaffen neue Ökosysteme zum Nulltarif.
Hinter Biberdämmen aus abgenagten Ästen und Stämmen entstehen kleine Feuchtgebiete, die Wasser und Leben in unsere an Tümpeln, Teichen und Gräben verarmten Landschaften zurückbringen. Zurückgehaltenes Wasser kühlt die Landschaft und mildert Starkregen und Hochwasser. Biberreviere sind so feucht, dass sie in Nordamerika Waldbränden widerstehen und sich danach als grüne Inseln aus den schwarz verkohlten Brandflächen hervorheben. Im Internet finden sich eindrucksvolle Berichte zu der Erkenntnis: Im Biberland hat‘s nicht gebrannt. Und Biber nützen anderen, auf Feuchtgebiete angewiesenen Arten. Eine aktuelle Studie belegt, dass Fledermäuse in Biberlebensräumen und weit darüber hinaus profitieren. Wo die Biber leben, gibt es mehr Arten und Individuen an Fledermäusen und mehr Insektennahrung für sie. Aktuell finden sich einzelne Vorkommen im Norden Baden-Württembergs entlang von Bächen und Flüssen, auch am Rand des Naturparks Stromberg-Heuchelberg. Biber sind mit ihren scharfen Nagezähnen in der Lage vielfältige Lebensräume zu schaffen. Vielleicht sollten wir neben den Problemen auch die Chancen sehen und dort, wo es vertretbar ist, einfach mal mit Mut den Meister machen lassen?
Dr. Stefan Bosch