Wintergast Rotdrossel

Der Winter verändert die Vogelwelt. Viele Arten reisen Richtung Süden und stattdessen kommen nordische Arten zu uns. Unter diesen Wintergästen und Durchzüglern ist auch die Rotdrossel (Turdus iliacus). Der knapp amselgroße, kompakte Vogel mit kurzem Schwanz, gesprenkelter heller Brust und gelbem Schnabelansatz hat zwei auffällige Kennzeichen: Ein markantes Gesicht durch einen weißen Überaugen- und Bartstreif sowie rostrote Flügelunterseiten, die beim sitzenden Vogel in ebenso gefärbte Flanken übergehen. Der Flügelfarbe verdankt sie den Artnamen Rotdrossel und im Englischen noch treffender „redwing“. Die Drosseln bewohnen Nadel- und Birkenwälder von Island, über Skandinavien, das Baltikum und Russland bis Ostsibirien. Mit weltweit 40 bis 70 Millionen Vögeln ist die Art nicht gefährdet. Im europäischen Verbreitungsgebiet leben 16 bis 21 Millionen Paare. Diese verlassen im Herbst ihre Brutgebiete im Norden und ziehen überwiegend in südwestliche, aber auch südliche und östliche Richtungen, so dass sich ihre Winteraufenthalte von Südfrankreich, Spanien und Nordwestafrika über Italien, Griechenland bis in den Nahen Osten erstrecken. Manche Vögel sind ihren Wintergebieten ortstreu, manche aber auch flexibel: Sie wechseln von Jahr zu Jahr Richtung und Ziel.

Hier in Mitteleuropa stammen Rotdrosseln überwiegend aus Fennoskandien, teilweise von nördlich des Polarkreises. Auf ihren Flügen legen sie 3000 bis 6000 Kilometer zurück. Im Herbst zwischen September und November und im Frühling von März bis Mai reisen sie bei uns durch. Da die Drosseln im Schutz der Dunkelheit fliegen, kann man ihre „ziiieh“-Rufe am Nachthimmel hören. Einige Vögel bleiben bei uns hängen und vergesellschaften sich mit Amseln, Wacholderdrosseln und Staren. Im Winter fressen Rotdrosseln Beeren an Waldrändern und in Gärten und Parks. Zusammen mit den anderen Arten schätzen sie auch das Fallobst auf Streuobstwiesen. Daher lohnt es sich, bei Wintervogelschwärmen auf untergemischte Rotdrosseln zu achten.

Im Frühling kehren die allermeisten Vögel in ihre angestammten Brutgebiete zurück. Wo es Kiefern, Birken und Weiden gibt, hat man schon einzelne „Übersommerer“ und vereinzelte Bruten nachgewiesen. Im Rahmen des Klimawandels verändert sich das Zugverhalten der Drosseln. Ihr Frühjahrzug hat sich hier im Land oder auf Helgoland in den letzten Jahrzehnten um etwa 14 Tage verfrüht. Das alljährliche Pendeln der Rotdrosseln und anderer Zugvögel über weite Strecken und über viele Breitengrade, Länder und Kulturen hinweg ist fester Bestandteil ihres Lebensrhythmus, um im Winterhalbjahr Wetterextremen und Nahrungsknappheit zu entgehen.

Stefan Bosch

11.01.2026

Ganz ohne KI recherchiert und formuliert 😉