Für den Ausbau des Rad- und Gehwegs entlang der L 1103/B 35 bei Bretten plant das Regierungspräsidium Karlsruhe die Fällung von 21 Bäumen und Sträuchern im Bereich des Freibads und entlang der Weißach – 12 Bäume am Freibad, 1 weiterer im hinteren Bereich sowie 8 entlang der Weißach. Die Stadt Bretten hatte diesen Ausbau nie gefordert und brachte erfolglos Alternativvorschläge ein, um den Eingriff in den wertvollen Baumbestand zu vermeiden. Der NABU Bretten unterstützt zwar den sinnvollen Lückenschluss des Radnetzes über die Unterführung an der Haltestelle Schulzentrum, lehnt die geplante Baum- und Strauchfällung am Freibad jedoch ab.
Bretten, den 5. September: Es sollen 21 große Bäume gefällt werden, neben einem Radweg, auf dem zumindest seit 2012 kein Verkehrsunfall an die Polizei gemeldet wurde. 21 große Bäume, die in Zeiten des Klimawandels dringend benötigt werden, den Temperaturanstieg zu mildern. Die sollen gefällt werden und an deren Stelle junge Bäume nachgepflanzt werden. Das ergibt keinen Sinn !
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September keine Bäume gefällt werden, es gilt ein Störungsverbot für Vögel und die streng geschützten Fledermausarten, Fortpflanzungs- und Ruhestätten der Vögel und Fledermäuse dürfen nicht zerstört werden. Bei all diesen Gesetzten gibt es eine Vielzahl von Voraussetzungen und Einschränkungen. Trotzdem sollten sie grundsätzlich eingehalten werden. Dies gilt für die Bürger, insbesondere aber für das Regierungspräsidium, das eine Vorbildfunktion haben sollte.
Das Fällen geht schnell, bis die geplanten jungen Bäume deren Größe erreicht haben, vergehen Jahrzehnte. Wir sollten jetzt nicht voreilig Fakten schaffen, sondern uns die notwendige Zeit nehmen und über das weitere Vorgehen sprechen.
Wir haben deshalb am 29. August unsere beiden Mitglieder des Landtags (MdL), H. Mayr und H. Haggenmüller kontaktiert, um ein Moratorium zu erreichen. H. Mayr hat uns daraufhin mitgeteilt, dass die für diese Woche vorgesehenen Baumfällarbeiten gestoppt wurden und dass es demnächst einen Vor-Ort-Termin geben wird. Vielen Dank an unsere beiden MdL im Namen des NABU Bretten für ihren schnellen und erfolgreichen Einsatz.
Bretten, den 21. September: Die BNN hatten Ende August berichtet „Für breiteren Radweg fallen 21 Bäume“. „Die Bäume entlang der Weißach will die Behörde bereits Anfang September … fällen“. In der letzten Samstagausgabe dann die Zusage von Regierungspräsident Alexander Föhr innerhalb eines Vor-Ort-Termins in Bretten: “Die Bäume bleiben erst mal da“.
Das war aber knapp! Wir können froh sein, dass die 21 Bäume noch stehen! Dank des breiten Protests der Bürger, unseres Oberbürgermeisters, des Gemeinderats, unserer Landtagsabgeordneten und der Naturschutzverbände, sowie der Berichte und Leserbriefe in den BNN, wurde die Fällung gestoppt.
Ich hatte das Regierungspräsidium (RP) kontaktiert bez. einer Beteiligung an dem Verfahren. Das RP hat uns auf Anfrage erklärt, dass der Anspruch des NABU auf eine offizielle Anhörung bei einer Plangenehmigung nicht gegeben ist. Trotzdem wäre dies, meiner Meinung nach, über §49 Abs. 5 des NatSchG BW möglich gewesen ("Die Behörden und Einrichtungen des Naturschutzes sollen über die gesetzlichen Beteiligungspflichten hinaus die Zusammenarbeit mit den privaten Organisationen des Naturschutzes pflegen"). Ich hatte auch unseren Oberbürgermeister Nico Morast kontaktiert. Er hat zugesagt, dass er unsere Anregungen und Themen, sowie generell das Thema Anhörung der Träger öffentlicher Belange, beim Vor-Ort-Termin mit dem RP ansprechen wird. Zudem wird er uns über das Ergebnis informieren. Man sieht, bei gutem Willen geht Vieles, auch ohne Rechtsanspruch.
Ich denke, wir haben alle Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, zum Schutz der Bäume genutzt und werden dies auch weiterhin tun. Meine Forderung an die Politik, und damit an unsere beiden Landtagsabgeordneten ist, dass die Möglichkeiten, die der §49 Abs. 5 des NatSchG BW bietet, in Zukunft mehr genutzt werden.
Derzeit werden einige Alternativen bez. dem Ausbau des Radwegs diskutiert. Unsere primäre Forderung als Naturschutzverein ist bei all diesen Alternativen, dass möglichst viele Bäume erhalten bleiben.
Text: Norbert Fleischer
Positionspapier Radnetz Bretten L1103/B35Hier die detailierte Einschätzung des NABU Bretten bzgl. des aktuellen Standes für den Ausbau des Radweges bei der L1103/B35. 255 KB | 02-09-26 |